„Wohin kämen wir, wenn nicht ab und zu etwas unseren Weg versperrte?“
(Richard Dehmel)
Hallo,
Mein Name ist Anne, ich bin eine
berufstätige, kinderbetreuende, ehemannbelustigende, haushaltsschmeissende und katzentrainierende „Anfangvierzigerin“.
Sei es beruflicher oder privater Natur: Ich möchte Euch von meinem „ganz normalen“ alltäglichen Wahnsinn berichten.
Manchmal passieren so schier unglaubliche – lustige, traurige, wahnsinnige – Dinge, die einfach zu schade sind, um der breiten Masse von Interessierten, Humorvollen, Neugierigen, Tierlieben und Lesebegeisterten vorenthalten zu werden.
Wenn Ihr also gespannt seid, auf mein erstes und aktuellstes Abenteuer, bleibt dran und seid gespannt…..
Nachdem ich nunmehr ein gutes Halbes Jahr nichts habe von mir hören lassen, ist es jetzt wiedermal höchste Zeit, mich zu Wort zu melden, denn:
Schon wieder lebe ich in einer Entschleunigung. Aber diesmal nicht nur ich – sondern ganz viele von Euch auch.
Genau: CORONA oder COVID-19 ist der Übeltäter!
Aber eins nach dem anderen:
Von meinem letzten Eintrag bis heute trainierte ich fleißig meinen Fuß und das Laufen und habe heute kaum noch Einschränkungen (…körperliche meine ich… 😉 )
Zwar zwickt es hier und da noch ein Wenig und der Zehenspitzenlauf klappt noch nicht – aber wer braucht den schon???
Aber was soll`s? Wird schon alles noch PERFEKT werden!
Aber nun in die Gegenwart: April 2020!Eine Pandemie beherrscht die Erde
Es hat sich in kurzer Zeit erneut eine ungewollte Entschleunigung durch die Corona-Pandemie eingestellt.
Ich möchte für Euch – und für die Nachwelt – erstmal eine kleine Zusammenfassung machen, wie das Leben „VOR CORONA“ aussah (wer weiss, ob es jemals wieder diese „damalige Normalität“ geben wird…)
ALSO: Wisst ihr noch…..?
Damals….
vor Corona….. :
Alle Kinder im schulpflichtigen Alter besuchten täglich die Schule. Sie saßen in Klassenräumen mit 25 oder 30 Kindern dicht an dicht und tummelten sich in den Pausen mit ihren Peergroups auf dem Schulhof. Nach der Schule fuhren die Kinder, die von weiter her kamen, mit dem vollgestopften Schulbus nach Hause und einige von ihnen gingen dann erstmal bei den Großeltern zum Mittagessen.
Übrigens: Einen Mund- und Nasenschutz kannte man „damals“ nur aus Krankenhäusern…
Ebenso waren die kleineren Kinder in der Kindertagesstätte untergebracht, wo sie dicht an dicht mit ihren gleichaltrigen Freunden spielten oder sich auch mal eng an ihre Erzieherinnen kuschelten.
Am Nachmittag trafen sich die Kinder dann mit Freunden oder übten Hobbies und Sportarten mit anderen Gleichgesinnten in Turnhallen oder Gemeinschaftsräumen aus.
Viele setzten sich auch in die gut gefüllten Eisdielen oder Kinos, oder sie besuchten gerne die Schwimmbäder.
Auch Spielplätze waren ein sehr beliebter und gut besuchter Treffpunkt zu damaliger Zeit.
Viele Eltern waren währenddessen an der Arbeit, manche im Büro mit ihren Kollegen, als Lehrer in der Schule oder Erzieher in den Kitas, und in unzähligen anderen Berufen mit geregelten Arbeitszeiten und viel Kunden- und Patientenkontakt, und: ohne Mund- und Nasenschutz!
Bevor die Leute einkaufen gingen, holten sie sich auf der Bank Bargeld und es war verboten (ich glaube, das war fast das einzige Verbot, was es damals gab) mit Motorradhelm – geschweige denn mit Gesichtsmaske – die Bank zu betreten. Es wäre sicher gleich die Polizei angerückt, wenn man so in die Bank gegangen wäre… aus Angst vor einem Banküberfall.
Wenn die Leute dann ihr Bargeld geholt hatten – ja, sie fassten es tatsächlich OHNE Einweghandschueh an – fuhren sie in den Supermarkt oder auch in kleinere oder mittelgroße Läden (über 800qm) – eben ganau dorthin, wo sie gerade wollten!
Sie kauften alles ein, was sie benötigten, denn es war IMMER ALLES DA!! Es gab Klopapier in Hülle und Fülle, ebenso Nudeln, Mehl, Hefe und alles was man sonst so wollte. Einweghandschuhe und Desinfektionsmittel zählten eher zu den Ladenhütern. Damals. Vor Corona…
Man machte Wanderungen in größeren Gruppen, veranstaltete große Partys, besuchte Fußballstadien und Konzerte.
Manchmal ging man es auch ruhig an: Bei einem Spaziergang mit der Familie traf man oftmals Leute aus dem Ort. Bei diesen blieb man dann stehen und tauschte die neusten Neuigkeiten aus.
Man besuchte gerne Restaurants, die auch oft sehr gut gefüllt waren.
Und nicht nur zum Entspannen ging man zum Friseur oder ins Kosmetikstudio.
Im Sommer machte die Familie dann meist zusammen Urlaub. Beliebt waren Ziele am Meer, wo man dicht an dicht am Pool oder Strand relaxte. Dorthin kam man meist per Flugzeug mit vielen hundert anderen gestressten urlaubsreifen Menschen.
Aber auch Urlaub auf deutschen Inseln war damals sehr beliebt.
Im Winter ging es dann in die Berge zum Skifahren und natürlich in die allseits beliebten Apres-Ski-Bars zum gemeinsamn feiern.
Die Freiheit war einfach grenzenlos!!
Die ältere Generation hatte auch ihre Peergroups und war noch recht mobil:
Kegelclubs, Strickcafés, Wanderungen, Radtouren, Einkaufsbummel oder auch Reisen – alles das unternahmen die Herrschaften im Rentenalter mit ihrer Clique, die auch alle in Rente waren und deshalb viel Zeit hatten – zuhause sitzen, nein, das war ja nichts für die heutige Ü-60-Generation… 🙂
Viele von Ihnen gingen auch sonntags in die Kirche und besuchten Gottesdienste.
Und wenn man mal krank wurde, ging man einfach zum Arzt. Man meldete sich an der Anmeldung an und setzte sich dann in das sehr überfüllte Wartezimmer und wartete – manchmal ein paar Stunden- bis man aufgerufen wurde. Aber die Warterei war ja nicht so schlimm, denn es waren ja noch sehr viele andere Kranke anwesend, die das gleich Schicksal teilten und warten mussten, bis man zum Arzt ins Behandlungszimmer durfte.
Arzt und Patienten natürlich ohne Mundschutz…
Es wurden Hochzeiten und große Familienfeiern mit hunderten von Gästen gefeiert.
Und gab es mal einen Trauerfall, fand man große Beistand und Trost von zahlreichen Verwandten, Bekannten und Freunden, die der Beerdigung beiwohnten und einem beim anschließenden „Beerdigungskaffe“ tröstende Worte spendeten….
Die voraussichtlich (und hoffentlich) letzten beiden Wochen „ohne Belastung“ und Liegend nutzte ich für meine persönliche Bildung bzw. Erweiterung meines Horizontes:
Viele Geistesblitze (und in so einem Zustand hat man wirklich viele) erlas ich mir sofort und wurde so zur Expertin für
den Aufbau von Atombomben, die großen Kriege der Weltgeschichte, die menschliche Evolution und für die Tradition der Alpabtriebe in der Schweiz.
Auch lernte ich, wie man heutzutage eine Identifizierung vornimmt, um einen neuen Handyvetrag abzuschließen; man musste ja nicht mehr persönlich in irgendeinen Laden gehen. Nein!!! Aber von vorn:
Sohnemann wollte den Handyanbieter wechseln. Also kauften wir ein Starter-Prepaid-Set und ich erklärte mich bereit, dies einzurichten.
Ich hatte ja schließlich jede Menge Zeit und konnte diese Aufgabe vom Bett aus erledigen – Wie praktisch: Ich musste mich nichtmal schick machen und konnte im Gammellook mit meiner Palme auf dem Kopf, da ich mich gerdae im Übergang von kurzem zu langem Haar befinde, die wichtigen Dinge erledigen.
Toll, was heute alles möglich ist!
Lediglich ein Foto meines Personalausweises musste ich per Handy an den Anbieter senden, und schon war die Sache geritzt… – dachte ich!
Ich hatte also mein Handy in der Hand, gerade das Ausweisfoto zur Identifizierung verschickt, da hörte ich aus weiter Ferne ein: „Hallo?…. Hallo?….Haaaallloooo….“
Ich wunderte mich, wo diese Stimme herkam und rief meinem Mann im Nebenzimmer zu, ob er das auch höre…. Nein, natürlich hörte er es nicht… Ich hingegen hörte das Rufen noch immer….
Plötzlich rief die Stimme: „Lassen sie bitte die Videofunktion zu!“ Ich sah mein Handy an und erschrak!!!
Es war mein Handy, das sprach!!!
Hilfe!
Videofunktion zulassen??
Schnell riss ich mir das Haargummi (die Palme) vom Kopf und schaltete die Videofunktion ein.
Aus dem Handy strahlte mich eine nette Frau an
(SIE wusste garantiert vorher, dass es um einen Videochat geht, und hatte sich die Haare schön zurecht gemacht, ja sie sah aus, als wäre sie einem Modekatalog entsprungen ).
Ich kam mir vor, wie Aschenputtel…. Ich musste verschiedene Fragen beantworten und meinen Ausweis neben mein Gesicht halten zum Vergleich.
Leute, Kam ich mir blöd vor!!!!
Letzendlich war dann meine Identifikation abgeschlosssen und die neue SIM-Karte freigeschaltet – Puh, Glück gehabt, sah ich doch auf meinem Ausweisfoto anders aus, als jetzt im Bett….
(Ich werde vielleicht mal vorschlagen, in Zukunft bei der Ausweiserstellung wählen zu können, wofür man den Ausweis benötigt:
Zur persönlichen oder zur digitalen Identifizierung – um dann dementsprechend ein Foto mit gekämmten oder ungekämmten Haaren auszuwählen….)
Ansonsten konnte ich in meiner Schonzeit von meinem beschränkten Blickfeld aus beobachten, wie der Sommer sich langsam dem Ende zuneigte und es mit großen Schritten auf den Herbst zuging.Es wurde bedeutend kälter.
Damit stellte sich ein neues Problem dar: Als es warm war, hatte ich ja durchgehend kurze Hosen an, aber nun… ?
Ich hatte keine langen Hosen, die ich über meinen Skischuh ziehen konnte…. Und für die Skihosen war es leider noch nicht kalt genug – allerdings wäre DAS eine Maßnahme für den Winter – sollte ich bis dahin immer noch den Schuh tragen, was ich natürlich nicht hoffe!
Um mir die Zeit zu vertreiben, hatte ich mittlerweile dann doch wieder das TV-Schauen entdeckt und schaute eine Serie nach der anderen. In meinem Bett hatte sich schon so eine Kuhle geblidet, dass ich gar nicht mehr auf die Seite rücken konnte, da ich immer wieder in die Mitte zurück kullerte, und es somit auch immer schwieriger wurde, mich aus dem Bett heraus zu hieven, bzw. aus der Kuhle zu klettern.
Wenn das hier vorbei ist, brauche ich erstmal eine neue Matratze….
Nach weiteren zwei Wochen musste ich dann wiedermal in die Klinik zur Kontrolle.
Am Abend vorher wusch Sascha mir den Fuß stundenlang und machte das Inlay vom Schuh frisch. Auch am nächsten Morgen wusch ich mir nochmal gründlich den Fuß und sprühte auch nochmal den Schuh ein, damit ja kein Duft davon ausgehen konnte….. MIttlerweile hatte ich ja schon echten Verfolgungswahn, dass der Schuh und der Fuß Düfte absondern könnten.
In der Klinik angekommen, war leider nicht der nette Oberarzt da, sondern der Chefarzt höchstselbst… Ja, genau… der, der mich operiert hatte und früher höchstwahrscheinlich bei der Bundeswehr gewesen ist….
Ich musste meinen Skischuh im Sitzen abmachen. Er ist dreiteilig und nicht so einfach ohne Hilfe zu bedienen. Aber ich durfte keine Schwäche zeigen! Also zog und zerrte ich daran herum, bis er ab war. Schweiss lief mir über die Stirn….
Doch der Arzt zeigte sich unbeeindruckt und fragte nur: „Sie haben den Schuh doch sicher schon öfters geöffnet???“ Ich bejahte nur, verschwieg ihm aber, dass ich zuhause meine Leute dafür habe, die mir den Schuh auf- und zumachen….
Er drückte auf der Narbe herum ohne Rücksicht auf etwaige Verluste und sagte, es sehe alles hervorragend aus und ich solle nun laufen…
Hä??? Ok???
Der Skischuh solle natürlich zwei weitere Wochen konsequent getragen werden. Ich solle die mitgelieferte Schuhsohle dran machen und die Gehstützen mitbenutzen. In zwei Wochen dann Wiedervorstellung in der Klinik…..
OK, zuhause angekommen, wollte ich dann sogleich loslaufen..
Die Laufsohle ist dran!
Aber es gestaltete sich doch schwieriger als gedacht, denn in dem verletzten Bein hatte ich absolut null Kraft. Es war, als wäre da ein Gummifuß dran. Also humpelte ich weiterhin auf dem gesunden Fuß und „stellte“ den anderen auf den Boden locker daneben. Es war zumindest schonmal eine Erleichterung und gab mir Sicherheit, dass im Falle eines Ungleichgewichts es nicht schlimm ist, wenn ich mich mal auf das verletzte Bein stützte….
Von dem Tag an war der Weg zu meiner Tenniskarriere ein großes Stück vorangegangen….. Hoffte ich…..
Wie schon erwähnt, musste ich ziemlich viel Liegen. Sobald ich den Fuß nach unten hängen ließ, tat er nach kurzer Zeit weh – und somit musste er schnell wieder hochgelegt werden.
Diese Bewegungseinschränkung erforderte natürlich auch tägliche Thromboseprophylaxe in Form von Spritzen, die ich mir selbst verabreichen musste. Niemals hätte ich gedacht, dass ich dazu überhaupt fähig bin, mir selbst Spritzen zu verabreichen.
Aber der Mensch ist ja bekanntlich ein Gewohnheitstier und nun hänge ich seit fünf Wochen an der Nadel und mein Körper verlangt jeden Abend nach seiner Dosis Heparin.
Schwierig ist allerdings mittlerweile, eine geeignete Stelle für den „Schuss“ zu finden, da meine Bauchdecke bereits von blauen Flecken übersät ist, und man ja nie in die Hämatome stechen sollte.
(Und meine Bauchfläche ist zum Glück schon etwas größer – dank des guten und reichlichen Essens auf Rhodos – , sonst hätte ich schon eher kapitulieren müssen….
Ich frage mich, wie das Menschen machen, die NOCH schlanker sind, als ich…)
Meine Zeit verbrachte ich also meistens im Bett mit einem wunderbaren Ausblick auf meinen hochgelegten Skischuh:
Zwar hatte ich mir schon allerlei Trainigsgeräte ans Bett geholt um im Liegen meinen täglichen Reha-Sport zu veranstalten, doch das reichte einfach nicht aus, um meinen Kreislauf normal am Laufen zu halten, und so kam es, dass ich eines Tages nochmal ins Krankenhaus eingeliefert wurde – und diesmal mit der zweiten Erfahrung, auf die ich über 40 Jahre warten musste – nach der Vollnarkose – nämlich eine Fahrt im Krankenwagen….
(Ich erinnere mich noch ganz genau, wie ich auf der Fahrt auf der Trage lag und sehr dicht neben mir der wirklich schöne Rettungsassistent saß, der mir Fragen zu meinem Befinden stellte – welche ich nur beantworten konnte, wenn ich mal kurz aufhörte, in meine Kotztüte zu speien….)
Herrje, war das unangenehm – also im Nachhinein betrachtet…..
Glücklicherweise durfte ich bald wieder nach Hause… Natürlich begleitet von der täglichen Angst eines erneuten Kreislaufkollapses. (Habe ich eigentlich schon erzählt, dass ich mich sehr gut in Sachen reinsteigern kann??)
Die weitere Zeit vertrieb ich mir erstmal mit Lesen und Fernsehen…
Als mir das zu eintönig wurde, fing ich an Einkaufsnetze zu häkeln und Hörbücher zu hören. So kam ich auch dazu, Bücher, die ich eigentlich mal lesen wollte, bzw. dachte, man MUSS sie mal gelesen haben -aber nicht wirklich Lust hatte, sie zu lesen- als erledigt zu kennzeichnen.
Weitere Zeit wurde mir von einigen lieben Besuchern und Anrufern etwas verkürzt. Das tolle am Kranksein sind ja auch die vielen Geschenke, die man so bekommt. 🙂
So kam eines Tages eine Kollegin und brachte mir eine Zeitschrift über die Königshäuser mit…. (Ich dachte erst: Ich und Königshäuser??? Das ist ja für mich absolutes Neuland…). Doch ihre Begründung war so absolut genial:
Sie sagte nämlich: „Bei dieser Zeitschrift konnte ich mir absolut sicher sein, dass du sie noch nicht hast!!“
Und wisst ihr was: Es ist wirklich interessant, was in den Königshäusern so abläuft… 😉
Des Weiteren fing ich an Kreuzworträtsel zu lösen und eben diesen Blog hier zu schreiben. Ich muss sagen, während meiner Liegezeit erweiterte ich meinen Horizont bzw. meine Aktivitäten schon ein wenig…
Auch lernte ich von meinem Mann, dass ein normaler Mensch nur acht Finger hat und nicht, wie ich fälschlicherweise 40 Jahre glaubte, zehn!!!
Er behauptete nämlich steif und fest, man habe acht Finger und zwei Daumen. Daumen seien keine Finger! (Während ich das hier schreibe, muss ich gerade schon wieder aufpassen, dass ich nicht vor Lachen umfalle). Ein Daumen sehe schließlich ganz anders aus und sei auch ganz anders aufgebaut! Er zähle NATÜRLICH nicht zu den Fingern!!!!
Eine stundenlange Diskussion war entfacht….
Im Nachhinein betrachtet, denke (hoffe) ich, dass mein Mann mir nur ein Wenig die Zeit mit dieser lustigen Vorführung vertreiben wollte….
Also: Wenn ihr meint, in euren Strukturen und Gewohnheiten etwas festgefahren zu sein, zieht euch einen Skischuh an und legt euch aufs Bett. Die Ideen und Belustigungen kommen dann nach ca. vier Wochen….
Eines schönen Tages musste ich dann auch wieder in die Klinik zur Kontrolle und Verstellen des Winkels meines Skischuhes.
Mein Mann hatte sich freigenommen, um mich die Treppe runter und später wieder hoch zu schaffen und mit mir die Mammutaufgabe des Arztbesuches zu bewältigen.
Wir saßen also wiedermal im Wartebereich des Krankenhauses, als eine Schwester kam und uns mitteilte, dass sich unser Termin um ca. eineinhalb Stunden verschieben würde, da der nette Oberarzt noch im OP sei…..
Wir könnten aber gerne noch ein wenig spazieren oder einen Kaffee trinken gehen… HAHAHA!!! Kaum hatte die Schwester das ausgesprochen, fiel ihr aber schon gleich auf, dass dies ein schlechter Scherz war… Und so kam es, dass ich sie nach einem Rollstuhl fragte, welchen sie uns netterweise auch gleich organisierte.
Und so schob Sascha mich vom Krankenhaus bis in die Innenstadt (es ging dorthin bergab) und später auch wieder hoch….
Wir entdeckten dabei ein neues Handyspiel: nämlich POKÉMON ROLL – kennt ihr das?? Es geht wie Pokémon Go – nur eben in der ROLL-Variante….
Als mich Sascha dann wieder hoch geschoben hatte, (wir hatten ganze zwei Pokémon-Eier ausgebrütet 😉 )
war er derjenige, der kaum noch laufen konnte… komisch – ich weiß wirklich nicht, woran das lag….
Irgendwann rief mich der nette Oberarzt dann auf, und ich bekam meinen Schuh umgestellt. Er sagte mir, dass ich in zwei Wochen mit Physiotherapie und ganz leichter Aufbelastung beginnen dürfe.
YEAH!!
Ich arbeitete noch sämtliche Fragen über etwaige Krankheiten wie z.B. Thrombose ab und ließ mein hypochondrisches Hirn schön vom Herrn Doktor beruhigen, bevor es wieder nach Hause ging…
Übrigens: Wenn euch mein Blog gefällt, freue ich mich über jedes Sternchen und jeden follower 😃👍
Guten Morgen, ihr wundert euch bestimmt, dass ich so lange nichts mehr von mir habe hören lassen: Aber es war einfach zu heiß!
Man muss bedenken, wenn es draußen dreissig Grad sind, sind es drinnen (im Skischuh) mindestens doppelt so viel.
UND DAS IST WIRKLICH NICHT SCHÖN!!!
So, die ersten beiden Wochen nach der Entlassung aus dem Krankenhaus dienten sozusagen der Eingewöhnung:
Eingewöhnung zuhause,
Einewöhnung an ein Leben in Gefangenschaft des Schuhs,
Eingewöhnung daran, für jede Kleinigkeit Hilfe zu benötigen und anzufordern.
Auch meine Familie musste sich natürlich erstmal an die neue Situation gewöhnen:
Nämlich dass Mama nicht wegen jeder Kleinigkeit springen kann, sondern dass sich das Blatt nun gewendet hatte und Sohnemann der Mama auch mal was bringen musste.
Mein Mann hingegen ging vollkommen auf in seiner Rolle als Waschfrau, Putzfrau, Kindermädchen, Köchin und natürlich Krankenschwester…. äh… -pfleger.
Danke dafür :-))
Und natürlich auch vielen Dank an das Team von „Essen-auf-Rädern-für-Zwei-und-Vierbeiner-sowie-Mädchen-für-alles“, welchem meine Eltern von nun an angehörten, wenn meine Männer außer Haus waren.
Mein Tagesablauf sah nun folgendermaßen aus:
Morgens fuhr ich mit meinem Stuhl mit den Rollen ins Bad, um mich zu waschen. Haare waschen fand in der Küche statt, da dort der Wasserhahn am Waschbecken höher ist, als im Bad:
Dabei balancierte ich auf einem Bein, wie eine Prima-Ballerina, vor der Spüle mit herab gelassenenm Haar und wusch mir einhändig – die andere Hand brauchte ich zum Abstützen – die Haare.
Nach der täglichen Katzenwäsche legte ich mich dann in mein Bett, den Fuß auf ca. 7 Kissen hochgelagert. Es war dann meistens 7.30Uhr – der Sohn in der Schule, der Mann an der Arbeit…. Und was sollte ich nun tun? Fernsehen, Lesen? Keine Lust….
Also wartete ich einfach, bis ich mal zur Toilette musste und arbeitete mich mit den Krücken dort hin. Danach fix und alle wieder aufs Bett.
…Wisst ihr eigentlich, wie anstrengend es ist, mit Krücken zu laufen, wenn man das eine Bein absolut gar nicht belasten darf? Noch dazu, wenn man nicht gewöhnt ist, sich irgendwie sportlich zu betätigen????
(Noch dazu drei Kilo Balast an dem nichtbelasteten Bein…)
Ich war also fix und fertig, wenn ich nur mal durch den Flur gehüpft bin….
(Aber zum Glück sollte ich ja die meiste Zeit liegen…)
Und als ich da so auf dem Bett lag, fiel mir plötzlich siedendheiß ein:
Ich musste ja in einigen Tagen ins Krankenhaus zum Fäden ziehen….
Wie sollte ich das nochmal bewältigen?? Hatten sie jetzt den Helikopter bestellt, oder nicht????
Panik brandete auf!!
Obwohl:
Hatte nicht der Physiotherapeut im Krankenhaus damals gesagt, es dauere ca. zwei Wochen, bis man sich an die Krücken gewöhnt habe…
Puh, Glück gehabt, mir blieben also noch ein paar Tage Zeit….
Ich legte also die Krücken neben mich ins Bett, damit ich mich an sie gewöhnen konnte….
Doch schon bald merkte ich, dass das SO nicht lief. Ich musste schon selbst üben. Und es war wirklich nicht schwer, wie sich bald herausstellte.
Bald waren die Krücken und ich beste Freunde. Nur das Treppenlaufen machte mir noch Angst. Die Technik beherrschte ich super, aber sobald ich die Treppe vor mir sah, beherrschte MICH die Angst.
Kennt ihr das, wenn ihr mit aller Kraft versucht, an etwas NICHT zu denken? So war es bei mir immer beim Treppauflaufen:
Ich wollte auf keinen Fall daran denken, was passierte,
wenn ich ins Straucheln kam und vorwärts torkelte, auf meinen kaputten Fuß fiel, die Sehne abermals riss, ich nochmals ins Krankenhaus – am Ende noch mit dem Krankenwagen – und nochmal operiert werden müsse und dann abermals zehn Wochen…. oder ich gar rückwärts die Treppe runter fiel und dann…..
Nun ja, da ich versuchte, mit aller Gewalt NICHT an so ein Szenario zu denken, kam ich meistens beim Hochlaufen dann ins Straucheln und meine Kräfte verliessen mich vollendes, so dass mein Mann mich von hinten voranschieben musste, wie einen bockigen alten Esel.
Der Tag kam, an dem ich nun ins Krankenhaus musste:
Treppe runter klappte hervorragend. Mit den Krücken vom Krankenhaus-Parkhaus bis in den Wartebereich bekam ich ebenfalls gut hin.
Ich wurde schon bald aufgerufen und eine Schwester zog mir den Skischuh aus….
Man sollte wissen, dass wir den Schuh bis dato nur ein paarmal – verbotenerweise, denn er sollte ja sechs Wochen durchgehend dran bleiben – so hatte ich es zumindest in Erinnerung – geöffnet hatten, um den Fuß wenigstens mal notdürftig zu waschen und den Schuh mit Deo einzusprühen….
Die orangene Färbung von dem Jod, welches sie mir bei der Operation großzügig an das komplette Bein gemalert hatten, war natürlich noch reichlich vorhanden und auch auf das sonst blütenweiße Polster des Innenschuhs übergegangen.
Die Schwester zog also die 13 Fäden und versorgte meine mittlerweile wundgeriebene Ferse („Wenn sie älter wären, würden wir hier schon fast von einem Dekubitus sprechen“, sagte sie. )
Waaaas????
Ratet, was ich heraus hörte… Riiiichtig:
„Sie haben einen Dekubitus!“
(Naja, ich hatte ja die nachfolgenden Tage genug Zeit, wenn ich im Bett meinen Fuß hochlagerte, da mal nach zu googeln…)
Nach dem Fäden ziehen, kam dann noch der nette Oberarzt und stellte mir den neuen Winkel meines Skischuhes ein und gab mir einen weiteren Termin in zwei Wochen.
Beim Herausgehen sagte die Schwester noch:
„In dem Karton von dem Schuh lag doch noch ein Wechsel – Innenpolster, oder? Man kann diese Polster in der Waschmaschine waschen.“
Ups…….
Ich wurde knallrot und schämte mich wegen meines verfärbten Schuhs. Ich konnte ja nicht ahnen, dass man den Schuh aufmachen darf, geschweige denn das Polster wechseln kann… DAS HATTE MIR KEINER GESAGT!!!
(Nein, im Gegenteil: Ich bin mir bis zu diesem Zeitpunkt vorgekommen wie ein Schwerverbrecher, hatten wir doch – „verbotenerweise“ -den Schuh bereits geöffnet um dem Fuß einen anderen Duft zuzuführen….)
Sascha behauptete sogleich: „Nein, in dem Karton war definitiv kein weiteres Polster!!“ Die Schwester vermutete, das seien wohl die neuen Sparmaßnahmen der Krankenkassen….
Ich hatte dann die großartige Idee, auf dem Heimweg beim Sanitätshaus stehen zu bleiben und ein Ersatzpolster einzufordern, gegebenenfalls, eines zu kaufen.
Denn diese Schmach, nochmal mit so einem vergilbten Schuh zu dem netten Oberazt zu kommen, trieb mir jetzt schon wieder die Schamesröte ins Gesicht.
Sascha meisterte den Auftrag im Sanitätshaus mit Bravour und kam mit einem frischen Innenschuh heraus.
Zuhause wurde dann sogleich das alte Polster in die Waschmaschine gestopft und das neue eingelegt. Welch Wohltat!!
(Zufällig fand dann mein Mann in dem Schuhkarton noch ein weiteres Wechselpolster…. Er fragt sich bis heute, wie das dort hingekommen ist, war der Karton doch bis dato leer gewesen… – Naja: Drei Polster sind immerhin besser, als eins!)
Tja, so war das eben. Und wenn die Schwester sagt, der Schuh muss zu bleiben, lässt man ihn auch zu…. oder???
So, zwei Wochen Liegen hatte ich nun hinter mir. Folgten noch mindestens weitere vier. Meine Geduld war jetzt schon etwas überstrapaziert…..
Lest beim nächsten Mal, wie ich mir die Zeit vertrieb und nur knapp einem Wohnungskoller entging, und wie ich unverhofft zu einem großartigen Ausflug im Rollstuhl durch die Fußgängerzone kam…
Von nun an hieß es: Sechs Wochen keine Belastung auf dem operierten Fuß und eingeschränkte Bettruhe.
Das ganze Ausmaß dieser Aussage, wurde mir jedoch erst später bewußt, ging die Situation doch an den ersten Tagen im Krankenhaus noch ziemlich an mir vorbei…
Der Tagesablauf in den folgenden Tagen war nahezu immer gleich und von Highlights wie Blutdruck messen, Visite und leckeren Mahlzeiten bestimmt.
(Kennt ihr eigentlich den Film „Und täglich grüßt das Murmeltier?“)
Zwischendurch dachte ich auch immer mal wieder an unseren Urlaub zurück…
Ach richtig, ich wollte euch ja die Fortsetzung der „Putzfrau-Geschichte“ erzählen:
Wir lagen also wiedermal – wie hätte es auch anders sein sollen – am Pool, da fiel unserem Sohn ein, er hätte gerne seine Luftmatratze, welche im Zimmer lag.
Also machte sich Sascha auf den Weg, um sie zu holen. Mama und Kind vergnügten sich derweil ein wenig im Wasser…
Doch irgendwann fiel auf:
Der Vater kehrte gar nicht zurück….
Ein wenig wunderten wir uns schon… Aber was sollten wir machen?
Er würde schon irgendwann mit der Luftmatratze eintrudeln.
….Nach einer gefühlten Ewigkeit kam er dann ganz aufgeregt und wild gestikulierend angelaufen. Er versuchte, mir irgendwas von Weitem zu erklären und machte mit seiner Hand Bewegungen, die ein Telefon darstellen sollten. Ich verstand kein Wort, war ich doch zu weit weg.
Als er sich nicht beruhigte, schwammen wir an den Beckenrand, um uns die Geschichte anzuhören:
°°° Sascha hatte die Luftmatratze im Zimmer geholt und noch kurz die Toilette aufgesucht. Als er wieder aus der Toilette herausgehen wollte, wunderte er sich, dass die Tür fast wie von Geisterhand funktionierte:
Doch, OH Schreck! Was musste er realisieren?
Er hatte nicht die Tür geöffnet, sondern nur den Türgriff in der Hand – ohne dazugehörige Tür!!
Er versuchte mit allen Mitteln, die Tür irgendwie aufzubekommen, aber es ging nicht!!!
°°° Zum Glück hatte er sein Handy einstecken und konnte mich anrufen.
Nur leider hatte ICH mein Handy nicht einstecken, da ich ja im Pool war!!!
Nun war guter Rat teuer!
Zum Glück verfügte der Raum über ein Mini-Fenster, welches sich auch öffnen ließ.
Sascha reckte sich also heraus und rief:
„Hello???“ und „Help meeee!!!“
Nach langer Zeit kam zufällig ein Hausmeister, der ihn rufen hörte. Nachdem Sascha ihm den abgebrochenen Türgriff gezeigt hatte, schien der Hausmeister verstanden zu haben.
Allerdings konnte er kein Englisch und deutete nur… „moment, moment“. Er entfernte sich anscheinend wieder, um Hilfe zu holen.
Kurz darauf hörte Sascha dann, wie die Eingangstür unseres Appartements von außen geöffnet wurde und sich jemand an der Tür zur Toilette zu schaffen machte.
Es raschelte und rumpelte, bis sich plötzlich die Tür öffnete…..
Sascha erschrak. Zuerst glaubt er, ein Déjà-vu zu haben… Hatte er nicht in diese erschrockenen Augen kürzlich erst geblickt???
Jaaaa…. ihr ahnt es schon…..
Vor ihm stand wiedermal unsere liebe Putzfrau!!!
Aber nun zurück ins Krankenhaus:
„Eingeschränkte Bettruhe“ war übrigens dadurch gekennzeichnet, dass ich mit hochgelagertem Fuß in diesem Spezialschuh (im Nachfolgenden Skischuh genannt) im Bett zu liegen hatte und zwischendurch das Bad mittels eines Stuhls mit Rollen (Nein, kein Rollstuhl – sondern ein einfacher Stuhl mit vier kleinen Rollen dran, mit dem man sich mühselig fortbewegen konnte, in dem man sich mit dem gesunden Fuß abstieß.) aufsuchen durfte.
Mein Lebensraum in diesen Tagen beschränkte sich also auf das Krankenzimmer und das gemeinschaftliche Bad… (Ausführungen hierzu erspare ich euch lieber….)
Am dritten Tage post OP sollte dann die Drainage entfernt werden.
Und was hatte ich ein Glück:
Hurraaaa, heute durften mal die Studenten ran…
Ein junger Student kam also ins Zimmer und wusste scheinbar nicht, welche Operation ich hinter mir hatte, geschweige denn, wie man den Skischuh öffnet und das Vakuum ablässt….
Ich erklärte ihm
-es war übrigens reinste Körperbeherrschung, dass ich nicht in die Luft ging –
dass mein Fuß in dieser sogenannten Sptzfußstellung bleiben müsse und dieser sich nicht einen Milimeter bewegen dürfe. Und dass er, der Student, nicht gleichzeitig den Fuß halten und die Drainage ziehen könnte.
Fluchtartig verließ er das Zimmer um eine Kollegin zur Unterstützung zu holen.
Nach einer gefühlten halben Stunde (ich denke, er googelte, wie man den Skischuh bedient….), die ich mit gelöster Schiene und einem aus Panik rasenden Puls dagelegen hatte, kam endlich der Student mit seiner Kollegin zurück und sie zogen mir die Drainage.
Das Schließen des Skischuhes erwies sich dann aber (er hatte wohl doch nicht gegoogelt…) als ausgesprochen schwierig. Selbst hinzu gerufene diensthabende Schwestern schienen noch nicht mit so einem Teil hantiert zu haben.
Also musste der Oberarzt gerufen werden, um mir endlich den Skischuh zu schließen!!
Am fünften Tage post OP kam dann der Chefarzt persönlich, um mir die frohe Botschaft zu überbringen, dass ich Morgen nach Hause dürfe….
Aber nur, wenn ich mit Krücken Treppen laufen könne!!!
Um das zu üben, käme nacher ein Physiotherapeut.
Puh, jetzt wurde mir aber echt heiß…. Hatte ich doch seit gut einer Woche nur gelegen:
Und jetzt sollte ich Treppen laufen auf einem Bein??? – Ich erinnerte mich nur an meine Hüpfer in den Behindertentransporter am Flughafen, bei dem ich mir das Knie aufgeschlagen hatte….. Hiiiilfeeeeee!!!!! Das kann ich nicht!!
Keine Kraft!
Kein Kreislauf!!!
Am besten stellte ich mich schlafend!!!!
AAAAAHHHH!!!!!
Und das nächste Problem stand auch schon an:
Wie sollte ich eigentlich dann morgen nach Hause kommen? Würden sie einen Krankentransport bestellen, oder sollte ich gar mit dem Helikopter….?
Aber wo sollte ein solcher denn zuhause landen?
Oh ja!Vielleicht auf dem angrenzenden Feld????
(Und überhaupt, war es im Krankenhaus doch eigentlich ganz schön…. Vielleicht könnte ich auch hier bleiben, bis ich wieder laufen könnte…., hier gab es wenigstens keine Treppen….
Oh nein…..)
Schon ging die Tür auf, und der Physiotherapeut riss mich aus meinen Gedanken.
Er ließ keine Ausreden gelten und jagte mich 40 Stufen rauf und 40 Stufen wieder runter. Mehr schlecht als recht bewältigte ich dies, und somit bekam ich den
„Fit-for-Home-Schein“. (Juhhuuuuu….????)
Am nächsten Tag holte mich Sascha dann ab, denn der Helikopter war leider gerade im Einsatz, und so mussten wir mich im Auto heim bugsieren und die Treppen hinauf schaffen.
Auf der Treppe kam ich nochmal gehörig ins Straucheln und war froh, als ich dann in meinem Bett lag.
Oh, was graute es mir jetzt schon vor meinem Termin zum Fäden ziehen in zwei Wochen…, denn das bedeutete ja, wieder Treppen runter und später wieder rauf. Ganz zu Schweigen von dem zurückzulegenden Weg zwischen den Treppen…
Vielleicht war ja bis dahin der Helikopter….
Nein, Schluß jetzt. Ich musste eben künftig mein Leben auf Krücken verbringen. Wie auch immer das funktionieren sollte, ohne dass ich mir weiter Verletzungen zuzog, konnte ich mir bisher nicht vorstellen…
Und JETZT wurde mir bewusst, was es hieß, eingeschränkte Bettruhe zu halten und sechs Wochen im Skistiefel zu verbringen!!!!
Es bedeutete totale Entschleunigung von jetzt auf gleich und Gefangenschaft in einem 3 Kilo schweren und sehr warmen Schuh, den ich – so hatte ich es in Erinnerung – auch sechs Wochen überhaupt nicht ablegen durfte.
Wie ich mir die Zeit vertrieb, und was ich bei meinem abenteuerlichen Ausflug zum Fäden ziehen noch so erlebte, lest ihr nächtes Mal…
Kaum lag ich also in meinem Bett, schwirrten Schwestern um mich herum und lagerten meinen Fuß fachgemäß in eine Schiene und ehe ich mich versah, hatte ich sogar einen schicken Stützstrumpf an meinem gesunden Bein.
Meine Bettnachbarin hatte gerade eine OP hinter sich und wurde, noch halb benebelt, ins Zimmer geschoben. Kurz darauf gingen auch schon die Nachwirkungen ihrer Narkose los, und sie fing schwallartig an, sich pausenlos zu übergeben….
Naja, so ist das eben im Krankenhaus. Da darf man nicht so zimperlich sein…
(Hab ich eigentlich schon erwähnt, dass ich mich sehr leicht vor etwas ekeln kann und immer mein Desinfektionsmittel dabei habe???)….
Nun gut, währenddessen kam dann auch noch der Anästhesist, um mich über meine morgige Narkose aufzuklären.
Ich erzählte ihm von meiner Angst vor einer Vollnarkose, und dass ich auch großen Respekt vor der allseits bekannten Übelkeit, die nach einer Narkose oftmals auftritt, habe.
Der Anästhesist meinte nur: „Ja, das war früher mal so, kommt aber heutzutage so gut wie NIE vor…“
Man stelle sich als Hintergrundgeräusch meine würgende, röhrende und speiende Bettnachbarin vor!!
Ich fragte mich, ob der Arzt sich gerade allen Ernstes authentisch vorkam.
ICH jedenfall fühlte mich etwas veräppelt….
Ok, zu guter Letzt willigte ich in die Vollnarkose ein, schließlich sollte ich vorher eine Beruhigungstablette bekommen, die mir alles EGAL erscheinen lässt….
Nun war es bereits 22.15 Uhr, und ich wunderte mich wirklich sehr, dass mir vor unserem Urlaub noch nie aufgefallen war, dass es in Deutschland SO lange hell ist.. Ich sagte noch zu meiner Bettnachbarin: „Mir war gar nicht bewusst, dass es in Deutschland SO lang hell ist. Auf Rhodos wurde es schon gegen halb acht dunkel…“ Meine Bettnachbarin bestätigte das nur mit einem Grunzlaut.
(Am übernächsten Tag fiel mir übrigens erst auf, dass ich die Uhr meines Handys noch nicht umgestellt hatte, und sie noch auf Urlaubszeit – eine Stunde vor – eingestellt war…. Das erklärte auch, warum die TV-Programm-App Sendungen wie „Vor Acht im Ersten“ diesmal erst um kurz vor neun sendete….)
So, nachdem ich die Nacht vor der OP halbwegs gut überstanden hatte, wartete ich am nächsten Morgen ab 5 Uhr ganz aufgeregt, wann sie mich abholen würden.
Gegen 7 Uhr brachte mir eine Schwester schon meine Beruhigungstablette. Ich dachte schon, die OP geht bald los und fragte, ob ich die Tablette JETZT nehmen könne. Sie sagte, es dauere noch ein Weilchen bis zur OP und sie sage mir dann rechtzeitig Bescheid, wenn ich die Tablette einwerfen kann.
Gegen halb 9 kam die Schwester und legte mir schon ein OP-Hemdchen bereit, nein… ich soll es noch nicht anziehen, auch hier sage sie mir Bescheid!!
Dann wurde noch in aller Eile Blut abgenommen, da das ja gestern vergessen wurde.
Um Zehn kam ein Mann vom ortsansässigen Orthopädie- und Reha- Zentrum und brachte mir einen futuristischen Spzial-„Schuh“, den ich direkt nach der OP anbekäme, sozusagen als Gipsersatz. Der Schuh wurde angepasst und der Mann klärte mich über die Handhabung auf….
(Natürlich nickte ich alles brav ab, ohne wirklich etwas mitzubekommen, was er mir da erzählte, da sich meine Gedanken ausschließlich um die Frage drehten: „Werde ich aus der Narkose wieder erwachen – und wenn ja, in welchem Übelkeitsstadium?“)
Gegen 11 Uhr dann endlich kam die Schwester und sagte, ich solle jetzt das OP-Hemd anziehen.
Ich fragte, ob ich auch die Beruhigungstablette nehmen solle. Die Antwort:
„Oh, das hab ich ganz vergessen. Nein, jetzt ist es dafür zu spät!“
Na toll…. Ich wollte mich gerade noch mehr verrückt machen, da war ich jedoch schon im OP-Bereich und der Anästhesist unterhielt sich mit mir und injizierte mir dann auch bald die Medikamente und wünschte mir alles Gute für die OP.
….UND WEG WAR ICH…
Wie aus weiter Ferne hörte ich dann irgendwann eine Frauenstimme, die sagte: „Machen Sie mal die Augen auf! Sie haben es geschafft!“
Mit aller Kraft hob ich meine Augenlider. Ich wusste bis dato gar nicht, wieviel diese kleinen Dinger wiegen!!!
Ich sah alles verschwommen, und die Augen fielen mir dauernd wieder zu.
Hinter meinem Kopf befand sich der Überwachungsmonitor, den ich – so gut ich das in dieser Situaton konnte – im Auge behielt.
Sicher ist Sicher!
Immer wieder beugte sich ein Pfleger mit einer Haube auf dem Kopf über mich.
Einmal fragte ich ihn laut und deutlich: „Habe ich diesen Schuh schon an?“
und er schaute mich ganz verwundert an, und fragte: „Wie bitte????“
Scheinbar hatte ich irgendwas geäußert, wie „…schmschmschmmmm“.
Beim nächsten Mal fragte mich der Pfleger, ob alles ok sei. Ich konnte aber nicht antworten, also nicht physisch, sondern nur psychisch. Und auf dieser Ebene konnte der Pfleger leider nicht kommunizieren…
Er sah mich also an und sagte:
„Manchmal sagen Blicke mehr, als tausend Worte….“
Irgendwann wurde ich umgebettet in mein eigenes Bett, bis dahin hatte ich mich nur gewundert, dass ich vorher nie gemerkt hatte, dass an meinem Krankenbett Gitter waren, und auf Station geschoben.
Ich wollte gerne noch im Aufwachraum bleiben, denn ich war ja noch nicht richtig WACH – und dafür war ich doch eigentlich hier, oder etwa nicht???
Aber der Pfleger sagte nur: „Sie sind jetzt eineinhalb Stunden hier, jetzt können Sie auf Station und dort noch schlafen.“
Ich wurde also in meinem Bett, noch halb benommen, in mein Zimmer 311 geschoben.
Ich lag da und winkte in meinem benebelten Kopf meiner Bettnachbarin zu, als würde die Queen persönlich ihre Untergebenen grüßen….
Übel war es mir zum Glück nicht – hatte ich doch vorher genug Theater veranstaltet, dass mir die Ärzte ein Wundermittel in meine Narkose gemischt hatten, um dies zu verhindern
Mein frisch operiertes Bein mit Drainage.
Was ist schicker? Der „SCHUH“ oder der Stützstrumpf?
Am nächsten Tag konnte ich mich zum ersten Mal seit meinem Unfall ein wenig im Kopf entspannen und auch mal den bis dato schönen Urlaub Revue passieren lassen.
Ein Highlight unseres Urlaubs fiel mir ziemlich schnell ein:
Wir lagen nachmittags alle drei am Pool, als meinem Mann einfiel, er könne ja schon Mal aufs Zimmer gehen um zu duschen und damit später – vor dem Abendessen- einen Stau im Badezimmer zu verhindern.
Ich ging dann mit Sohnemann noch eine Runde in den Pool.
Als wir dann irgendwann auch aufs Zimmer kamen, erwartete uns folgender Bericht von Sascha:
Er hatte, wie gesagt, geduscht und ist dann von der Dusche aus, im Adamskostüm – es war ja außer ihm schließlich keiner da – ins Schlafzimmer, um sich anzuziehen.
Just in diesem Augenblicke ging die Tür auf!
Die Putzfrau stand direkt vor ihm!
Auge in Auge starrten sie sich an!
Beide erstmal wie erstarrt….!
Dann bewegte sich die Putzfrau langsam rückwärts und murmelte immer wieder:
„I knocked the door, I knocked the door….„
Am nächsten Tag hatten wir übrigens zwei sauber gefaltete Bademäntel auf dem Bett liegen…. (zu wessen Schutz diese dienen sollten, bleibt dahingestellt…)
DANKE DAFÜR!!
Mit solchen Anekdoten versuchte ich mir also meinen Krankenhausaufenthalt etwas zu versüßen.
Wenn ihr die Fortsetzung der „Putzfrau-Geschichte“ wissen wollt, und was ich im Krankenhaus noch so alles erlebte, schaut demnächst wieder rein…
Meine sogenannte Betreuerin am Flughafen schob mich alsdann im Rollstuhl quer durch den gut besuchten Flughafen von Rhodos.
Sascha mühte sich derweil mit den Koffern ab und versuchte, unseren Sohn dabei auch noch im Auge zu behalten.
Die Betreuerin, nennen wir sie mal „Gelbweste“, chauffierte mich souverän und mit immer wieder englisch-griechischen Ausrufen wie: „Excuse me“ durch die Menschenmassen.
An der Gepäckaufgabe schob sie mich direkt an den VIP-Schalter.
Ich sah nur Beine und Hinterteile, an denen ich vorbei gepresst wurde.
Dann rief Frau Gelbweste mit lauter Stimme zu den anderen Wartenden:
„Are YOU VIP? – No? Then go there…“
– und zeigte den „normalen“ Passagieren, dass sie sich gefälligst an den anderen Schalter bequemen sollten, denn hier sei nur für VIP-Gäste. In dem Fall hatte ich den Schalter also allein mit meinen zwei Männern.
(Was ja nicht so ganz unangenehm war, das muss ich zugeben….)
In Null Komma Nix waren wir also abgefertigt und standen in erster Reihe am Gate.
Wer noch nicht in Rhodos am Flughafen war, sollte wissen, dass die Passagiere beim Boarding direkt vom Gate über einen langen, geschlängelten Steg im Freien ins Flugzeug einsteigen. Aber nur die, die Laufen können.
Nach kurzer Wartezeit am Rand, kamen zwei Mitarbeiter und fuhren mich im Rollstuhl den langen serpentinenartigen Steg hinunter.
Ich merkte vorher kurz an, dass das ja mein Mann auch übernehmen könnte. Aber sie verneinten. Ich denke mal, sie hatten Angst, dass ich an unglaublicher Geschwindigkeit aufnehmen könnte, und Sascha das dann nicht mehr unter Kontrolle hätte.
Am Ende hätte ich gar den Eingang des Flugzeuges verfehlt!
Nachdem ich also den Steg unten war, wurde ich nicht etwa ins Flugzeug bugsiert, nein – es kam ein fahrbarer Lift, mit dem ich erst an das Flugzeug heran gefahren und dann hoch an den Notausgang geliftet wurde. Dort standen schon die Stewarts und Stewardessen bereit, um mich zu beäugen und in Empfang zu nehmen.
Sie waren wirklich sehr nett, aber auch sie konnten sich ein Lächeln nicht verkneifen.
Ich bekam die Anweisung, mich ans Fenster setzen zu müssen. Das kam mir ja sehr recht, denn seit unser Sohn mitfliegt, hatte ich nie mehr das Vergnügen gehabt, den Fensterplatz beanspruchen zu dürfen.
Allerdings interessierte mich doch, WARUM ich am Fenster sitzen müsse; es war ja sicher nicht nur eine Anweisung aus Mitleid, um mir den Flug zu versüßen.
Die Stewardess erklärte mir dann, es sei wegen dem Fluchtweg. Dass er nicht von mir versperrt würde…. Na prima! –
Ich würde also bei einem Absturz oder einem Notfall zuletzt gerettet. HIIIILFEEEE!
Ok, der Flug verlief soweit ganz gut, und dank Fensterplatz und super klarer Sicht verging er auch relativ schnell.
Nach der Landung sollten wir drei sitzen bleiben, bis alle anderen, laufenden Passagiere das Flugzeug verlassen hatten, da uns jemand abholen sollte.
Dies gestaltete sich allerdings in Deutshland etwas chaotisch, denn es war ein Fahrer mit einem Behinderten-Transporter bestellt worden, und außer mir war noch ein weiterer Gast im Rollstuhl im Flieger, der allerdings nicht angemeldet war.
Und so war nicht genug Platz in diesem Transporter für die zwei Rollstuhlfahrer plus Begleitpersonen.
Der Passagierbus war auch schon weg und nun war guter Rat teuer…
Letztendlich bot die Crew an, meine beiden Männer in ihrem Bus mitzunehmen und mich mit dem Transporter zu schicken.
Nun musste ich aber erstmal aus dem Flugzeug kommen, denn der bestellte Lift war leider nicht gekommen….
Also kam der Mann vom Transporter mit einem Kollegen, und sie schafften mich auf einem Stuhl die steile Treppe des Flugzeuges hinunter
(Bitte mein Kampfgewicht im Hinterkopf behalten!);
ich kam mir vor wie auf hoher See und malte mir schon wieder irrsinnige Dinge aus, die mir auf dieser Treppe zustoßen könnten 😉
Unten angekommen, stand der Transporter bereit, aber leider noch kein Rollstuhl und auch keine Krücken.
Ich sollte also auf einem Bein zu dem Transporter hüpfen, was ich auch gerade so noch hinbekam.
Und dann sollte ich die drei Stufen in den Bus hinein auch hüpfend auf einem Bein bewältigen.
JA BIN ICH DEN HIER BEIM ZIRKUS????
Dabei verließ mich natürlich meine nicht vorhandene Kraft und ich knallte nochmal ordentlich auf meinen Fuss und das dazugehörige Knie…
Als der Fahrer das blutüberströmte Knie dann sah und mein Gemecker hörte, bequemte er sich dazu, die Rampe herunter zu lassen und einen Stuhl heraus zu fahren, mit dem er mich ganz bequem und hydraulisch (na zumindest elektronisch…? – also nicht händisch) in den Transporter schaffte.
Am Flughafengebäude angekommen nahm mich dann endlich eine sehr nette Frau mit einem Rollstuhl in Empfang.
Meine Männer hatten sich derweil gut mit der Crew unterhalten und waren schon über alle Berge!
Heeeey, wo seid ihr???? Habt ihr die Gelegenheit etwa genutzt und mich zurück gelassen?
Die Frau,die mich schob, gab jetzt Vollgas. Ich wollte mich schließlich nicht kampflos geschlagen geben und es meinen Männern so einfach machen, ohne mich durchzubrennen.
Und siehe da, nach zehn Minuten hatten wir sie gefunden. Sie hatten die Koffer schon geholt und mein Schwiegrvater war auch schon da, um uns abzuholen.
Ich war nach einem Urlaub noch nie so froh, wieder deutschen Boden unter den Füßen zu haben…..
Vom Flughafen ging es dann direkt ins Krankenhaus in die Notaufnahme.
Es muß schon kurios ausgesehen haben, wie ich mich mit Krücken vom Auto (ca. 30 Meter) bis zur Information geschleppt habe…
Verschwitzt und fix und alle nach den ganzen Strapazen der letzten Tage und des Fluges, und irgendiwe total kraftlos und kurz vorm Zusammenbrechen, stand ich an der Info und hauchte mit letzter Kraft, ob ich einen Rollstuhl haben könne (die standen direkt vor der Theke, ich hätte nur danach greifen brauchen)
– mich wunderte, warum mir eigentlich kein aufmerksamer Mitarbeiter mit dem Rollstuhl entgegen gerannt war – …!!!!!
War das vielleicht nicht All-Inclusive????
Naja, nachdem wir „ein Pfand“ dagelassen hatten, durfte ich mich tatsächlich gütigerweise in einen Rollstuhl setzen.
Sascha fuhr dann erstmal mit Sohn und Schwiegervater nach Hause, ich wollte ihn dann anrufen, wenn er mich mit meinem Gipsbein abholen konnte…..
Doch diese Rechnung hatte ich ohne den Chefarzt gemacht!!
Nachdem mich zuerst ein junger Assistenzarzt untersucht hatte – und die Diagnose war eigentlich schon ohne Untersuchung sicher, da man inzwischen sogar eine Delle an meinem sehr geschwollenen hinteren Bein sah, wo die Achillessehne auseinander gerissen war – sagte er, er könne mir „empfehlen“ es zu operieren.
Die Delle im linken Fuß war deutlich zu sehen
Doch da wehrte ich mich vehement dagegen. Ich sagte ihm, ich hätte schließlich gelesen, man könne eine Achillessehnenruptur schließlich auch ohne OP wieder hinbekommen.
Daraufhin verließ der junge Arzt den Raum.
Kurz darauf kam noch ein anderer Arzt und fragte, ob schon untersucht wurde. Ich sagte ihm, dass der junge Arzt noch den „Thompson-Test“ machen wollte. Der Arzt schaute mich ganz erstaunt an und fragte:
„Sind sie Schwester?“
Ich wollte schon fast antworten:
„Klar! Ich bin die Schwester von meinem Bruder!“,
aber ich besann mich doch eines Besseren und verneinte.
Er sagte:
„Warum kennen Sie dann den „Thompson-Test?“
Ich überlegte kurz, peinlich berührt, und murmelte mir dann in den Bart:
„Ich glaub ich hab mal was darüber gelesen.“
(Dass ich seit meinem Unfall fast nichts anderes mehr getan hatte, als das
WWW. nach Geschichten über Achillessehnenrupturen abzusuchen, verschwieg ich ihm aus rein taktischen Gründen)
Daraufhin mit einem Augenrollen der Arzt:
„Ja ja, Doktor GOOGLE.“
… Ich sagte nun besser nichts mehr….
Der junge Assistenzarzt, der zuerst bei mir gewesen war und mir eine Operation „empfohlen“ hatte, wusste sich wohl keinen anderen Rat, und so holte er zur Verstärkung den Chefarzt persönlich:
Ich schätze mal, dieser war so Mitte 50 und bestimmt früher mal bei der Bundeswehr als Arzt tätig.
In einem – naja sagen wir mal „Keinen-Widerspruch-Duldenden-Ton“ sagte er mir, das sei dringend zu operieren, ich wolle ja schließlich irgendwann mal wieder normal laufen können, und ich schleppe mich ja außerdem schon ein paar Tage damit herum.
Ich fragte noch, wie lang die ganze Heilung dauerte. Er antwortete: „Ca. 8-10 Wochen. … Was arbeiten Sie? Erzieherin in der Kita? …Äh… Dann: MINDESTENS 10 Wochen…!“
Ups, das musste ich erstmal verdauen…. Jetzt wollte ich dann aber schleunigst nach Haues und mich dort mit dem Gedanken abfinden, dass ich demnächst operiert werden sollte….
Aber nein! Das hatte der Herr Chefarzt ganz anders im Sinn: „Sie kommen JETZT auf Station und morgen früh hole ich sie ab, dann wird das operiert!“
Waaaaas?????
Soll das ganze etwa auch mit Vollnarkose stattfinden? – Ja selbstverständlich! Denn während der OP müsse ich auf dem Bauch liegen, und das wolle ich ja wohl nicht die ganze Zeit alles mit bekommen… Schluck!!
Ich muss dazu sagen, dass ich noch nie eine „richtige“ OP hatte, geschweige denn, eine Vollnarkose. Und genau diese Vollnarkose war bis dato IMMER eine meiner größten Ängste gewesen…….
Aber was sollte ich tun?
Es war ja nicht zu ändern, also checkte ich als Notfall in Zimmer 311 der Unfallchirurgie ein …
Ich saß also auf dem Tennisplatz und unsere liebe Urlaubsbekannte Silke, hatte an der Rezeption Bescheid gegeben, dass wir ärztliche Hilfe benötigten.
Ich flippte erstmal total aus – hörte ich doch dauernd wie aus weiter Ferne die Worte Achillessehne gerissen- und schrie ungefähr 100 Mal:
„Was für eine verdammte Sch….“
– eigentlich gar nicht so meine Art, bin ich doch eher der ruhige und besonnene Typ.
Aber in diesem Fall spulte sich ein Film in meinem Kopf ab:
In diesem Film wurde ich mit dem Helikopter auf einer ägäischen Insel in ein sogenanntes Krankenhaus, wenn es hier überhaupt eins gab, vielleicht aber auch aufs benachbarte Fetsland, geflogen.
Natürlich einsam und verlassen, fernab von meiner Familie und ohne jeglichen griechischen Wortschatz.
Science-Fiction-Mässig in einen unterirdischen Betonbunker, indem ich dann zwei Wochen verharren musste…..
Ok, ich musste Ruhe bewahren und zwang mich, diese Gedanken aus meinem Kopf zu streichen und murmelte ständig vor mich hin:
„Lasst mich bloß nicht hier!!!“
Was mich etwas beruhigte:
Zum Glück war in unserem All-Inclusive-Paket auch ein Hotelarzt inbegriffen. Diesen konnten wir nun auch noch nutzen – es war geschafft:
Wir hatten das Größtmögliche aus dem Urlaub rausgeholt!
Nur dass dieser Hotelarzt in einer Doppelfunktion auch als Mitarbeiter der Rezeption fungierte, wusste ich bis dato nicht.
Aber alles halb so wild:
Der „Rezeptionist“ kam also irgendwann und brachte sogar ein Icepack mit.
Man stelle sich folgendes Szenario vor:
Ich saß auf einer Bank auf dem Tennisplatz, es war mittlerweile dunkel und wir hatten – passend zu sportlichen Großereignissen – sogar Flutlichtbeleuchtung; unser Bekannter Frank und mein Mann Sascha hielten meinen Fuß fest, damit nicht noch mehr passierte.
Doch der Rezeptionist – Frank nannte ihn liebevoll „Doctor of the Day„- wurschtelte und drehte dann meinen Fuß hoch und runter in diesen Icepack, was ihm einen gehörigen Anschiss einhandelte.
Der „Doctor of the Day“ lief dann noch geschätzte 5 Mal hin und her, bis er endlich einen „echten“ Arzt anrief und mir einen Rollstuhl und Gehstützen brachte.
Lange Rede kurzer Sinn:
Sascha und Frank schafften es dann irgendwie mich vom Tennisplatz zu schaffen, und ein Gepäckwagen des Hotels fur mich dann zu unserem Bungalow.
War ich froh, als ich endlich auf meinem Bett lag.
Nun warteten wir auf den bestellten Arzt.
Inzwischen waren auch Silke, Frank und deren Tochter eingetroffen, die sich zum Glück um unseren Sohn gekümmert hatten.
Zwei Stunden später trudelte dann der „Arzt“ ein. Glücklicherweise hatte er sich vor der Tür noch schnell ein Kaugummi genehmigt, das übertünchte etwas seine frische Rauchfahne.
Er konnte ein paar Brocken Deutsch, hatte er doch schließlich zwei Jahre in Deutschland gearbeitet.
Er tastete also mein Knie ab
– Riiiichtig!!! Ihr fragt euch jetzt: WARUM DAS KNIE ??
Das fragte ich mich auch – und kann es bis heute nicht beantworten.
Ich erklärte ihm zehn Mal, dass es mir in der Achillessehne weh tut und was passiert war, aber er ließ sich von Laien nicht ins Handwerk pfuschen und Diagnostizierte – wahrscheinlich aus verletztem Stolz – eine Kniezerrung. Es sei bald wieder gut, ansonsten solle ich in Deutschland zum Arzt gehen.
Er stellte den „Fit-to-Flight“-Schein aus und wir zahlten die 160 Euro.
Dann legte ich mich Schlafen, in der Hoffnung, dass morgen, an unserem letzten Urlaubstag, vielleicht alles wieder gut wäre.
Ich wollte ja schließlich ein letztes Mal an Strand und Pool, ein letztes Mal das gute Essen geniessen….
Am nächsten Morgen jedoch……
……. war leider gar nichts besser. Im Gegenteil:
Ich konnte meine Zehen nicht bewegen, mein Fuß hing da, als würde er nicht zu mir gehören. Ich blieb also im Bett an unserem letzten Urlaubstag
und schürte meine Angst vor dem, was noch alles auf mich zukommen würde. Angefangen beim Transport in den Bustransfer und wieder raus, der Frage: Wie komme ich ins Flugzeug und: Bekomme ich dort auch keine Thrombose, wie würde ich vom Flugzeug bis zum Auto meines Schwiegervaters (der uns am Flughafen abholen wollte) kommen, und: Was erwartete mich dann noch im Krankenhaus (noch glaubte ich ja fest daran, dass ich nach kurzer Untersuchung und Ruhigstellung des Fußes, nach Hause konnte).
Während ich mich in diese Trüben Gedanken steigerte, kümmerte sich Sascha um meinen Transport nach Hause: Ich sollte am Flughafen mit dem Rollstuhl herumgefahren werden.
NOCH war mir dieser Gedanke äußerst unangenehm. Alle würden auf mich schauen. Ich wollte mich dann besser doch etwas zusammenreißen…..
Dachte ich zu diesm Zeitpunkt jedenfalls noch.
Sascha schickte mir sogar per Roomservice mein Essen aufs Zimmer. Wobei mir vor lauter Angst – ob ich wohl den Flug gut überstehe, und was mich dann zuhause noch alles erwatet – der Appetit vergangen war. (Das schadete nichts, nach der Völlerei der vergangenen Tage).
Mein Frühstück vom Roomservice
Am nächsten Morgen um 5.50 Uhr holte mich dann der Gepäckwagen ab und fuhr mich zum Bustransfer.
(„Manchmal sagen Blicke mehr, als tausend Worte…“)
Die erste Hürde war mit Ach und Krach gemeistert: Ich saß im Bus….
Nach zwei Stunden waren wir dann in Rhodos am Flughafen, wo mich eine nette Dame mit einem Rollstuhl in Empfang nahm…
Ich sage euch: Welch ein Segen!!!
In diesem Schmerz- und Angst-Stadium war mir nichts mehr peinlich!
Auch wollte ich zuhause dann direkt ins Krankenhaus um mir einen Gips abzuholen, bevor ich nach Hause fahre….
Wie der Rückflug verlief , und ob alles so gekommen ist, wie ich es mir vorgstellt hatte, lest ihr demnächst HIER….
heute möchte ich Euch erzählen, warum ich mich im Moment in einer ganz besonders – naja, sagen wir mal „schwierigen“- Situation befinde:
Alles begann mit einem wunderschönen Familienurlaub auf der griechischen Insel Rhodos:
Wir, das sind mein Mann, mein 11-jähriger Sohn und natürlich meine Wenigkeit, verbrachten unseren Sommerurlaub in diesem Jahr auf der schönen Insel Rhodos.
Ein perfektes Hotel, welches alle Wünsche einer anspruchsvollen, verwöhnten, hungrigen – und natürlich im Urlaub auch faulen- Familie erfüllt.
Das Hotel hatte auch ein großes Sportangebot, welches wir natürlich nicht nutzten.
“ Da wir schon zuhause nicht die bewegungsfreudigsten sind, mussten wir natürlich nicht gerade im Urlaub damit anfangen. „
…dachten wir zumindest am Anfang….
Also ließen wir es uns richtig gut gehen:
Nach einem ausgiebigen Frühstück suchten wir uns erst mal eine Liege in bester Pool-Lage oder auch am Strand mit dem traumhaft klaren Wasser.
Von dieser besagten Liege bewegten wir uns lediglich bis ins kühle Nass und wieder zurück.
Und höchstens noch bis zur Bar, um ein kaltes Getränk zu holen – denn den ganzen Tag nur herum zu liegen, macht schließlich durstig.
Mittags mussten wir „leider“ aufstehen und uns ins Restaurant begeben. Für diese Strapazen wurden wir dann jedoch mit einem üppigen Mittagessen belohnt.
Danach wieder auf die Liege und das gleiche Spiel bis zum Abendessen.
Abends dann noch ein oder zwei Cocktails und dann ab ins Bett.
Tag für Tag wurde ausschließlich gechillt, wie es sich für „echte Urlauber“ gehört.
An unserem vorletzten Urlaubstag jedoch……….
…da passierte es:
Uns wurde bewusst, dass unser Hotel ja noch so viel mehr bietet als nur Essen und Liegen:
Es gab ja auch noch dieses – so erfolgreich verdrängte – riesige Sportangebot, welches wir ja schließlich in unserem All-Inclusive-Paket mit bezahlt hatten.
Wir hatten jetzt noch genau zwei Tage Zeit, um auch wirklich alles, naja sagen wir FAST alles, aus unserem Urlaub heraus zu holen.
Lange genug ausgeruht hatten wir ja nun, um uns in sportliche Höchstleistungen zu stürzen.
Was taten wir also?
Erstmal legten wir uns an den Pool, um den Schock dieser Erleuchtung sacken zu lassen….
Dort erfuhren wir zufällig von unseren Urlaubsbekannten (ebenfalls eine dreiköpfige Familie), dass sie am Abend einen Tennisplatz reserviert hatten, und wir uns gerne anschließen könnten.
„Also, wer kann da schon NEIN sagen?
Und so kam es, dass wir uns am Abend in unsere bis dato unbenutzten Sportklamotten warfen und hochmotiviert zum Tennisplatz liefen.
(Dass wir bei den Temperaturen schon fix und fertig waren, als wir ankamen, brauche ich wohl nicht extra zu erwähnen.)
Der Sportlichste von uns – es war unser Urlaubsbekannter – übernahm das Coaching.
So spielte mein Mann erstmal im Doppel mit meinem Sohn gegen mich und die Tochter unserer Bekannten.
Es klappte von Beginn an ausgesprochen gut und machte riesigen Spaß. Ich wollte gerade meinem Mann übers Netz zurufen, ob wir nicht zuhause in einen Tennisverein eintreten wollten, da ich überzeugt war, dass in mir eine Art Steffi Graf schlummern musste.
Jedoch musste ich erst noch diesen einen Ball erwischen – bevor kurz Zeit für die Kommunikation über unsere weitere sportliche Laufbahn war.
Ich hechtete also mit einem großen Ausfallschritt nach dem Ball…. und plötzlich….
…ein heftiger Schlag in meinem Bein.
Ich sackte zusammen…..
Ich dachte, ein Spieler vom benachbarten Platz hätte mir „aus Versehen“ seinen Schläger mit voller Wucht ins Bein gehauen.
„Ich drehte mich rum, um diesem rücksichtslosen Rüpel die Meinung zu geigen,
aber:
Da war Niemand!“
Meine Mitspieler konnten sich zunächst ein Lachen nicht verkneifen.
Ich rief nur: „Wo ist er hin?“, und meinte damit natürlich diesen Rüpel.
Meine Teammitglieder schauten mich nur verwundert an und fragten: „Wer???“
Da begann ich kurz an meinem bzw. deren Verstand zu zweifeln, denn es hatte mich doch schließlich jemand ins Bein geschlagen.
Hatten die anderen das etwa nicht gesehen?????
Mein Mann rief dann irgendwann als er sich wieder eingekriegt hatte: „Komm, steh auf…“
Aber das war so leicht daher gesagt. Ich spürte meinen Fuß nicht mehr und konnte gar nicht aufstehen.
Sofort kamen mein Mann und unser Bekannter heran geeilt, um mir auf zu helfen.
(Was bei meinem Kampfgewicht gar nicht so leicht war….)
Dann informierte unsere Bekannte die Rezeption…
….und ich flippte erstmal aus…..
Wenn ihr gespannt seid, wie es mit meinem Fuß auf einer griechischen Insel weiterging, schaut morgen wieder rein.
Lasst gerne einen Kommentar da. Vielleicht habt ihr eine Idee, wie wir unseren Urlaub zuende gebracht haben?